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Die Geschichte der FICE

So begann es...

Die FICE wurde 1948 unter den Auspizien der UNESCO gegründet. In jenen Tagen wurden überall Schulen, Kinderheime und Kinderdörfer für die Millionen von Kindern errichtet, die durch den II. Weltkrieg Heimat oder Eltern verloren hatten. Die UNESCO erkannte, wie wichtig es war, die Mitarbeiter dieser Einrichtungen zu unterstützen, arbeiteten diese doch zum Wohl der Kinder, die  an den psychischen, physischen und materiellen Folgen des Krieges litten.

Viele der Kinder waren durch den Krieg oder in Folge politischer Entscheidungen aus ihrer angestammten Heimat vertrieben worden . Sie lebten nicht mehr in geschlossenen Gemeinschaften, sondern zusammen mit Kindern anderer Nationalität, Kultur und Sprache. Man gelangte zu der Überzeugung, dass ein internationales Netzwerk bei der schwierigen Aufgabe, diesen Kindern eine positive Zukunft zu geben, hilfreich sein könnte.

so ging es weiter...

Der II. Weltkrieg liegt nun fast sechzig Jahre zurück. Europa hat sich seither sehr gewandelt und viele Länder haben einen wirtschaftlichen Aufschwung erlebt. Auch die Probleme der Kinder und Jugendlichen sind heute andere als damals und deshalb entwickelte sich auch die FICE weiter. Ursprünglich als „Fédération des Communautés d'Enfants” (Internationaler Verband für Heimerziehung) gegründet, passte sie  vor ungefähr zwanzig Jahren ihren Namen den neuen Schwerpunkten in ihrer Arbeit an, behielt jedoch um der Kontinuität willen die Initialen „FICE“ bei.

In ihrer gesamten Geschichte hatte die FICE stets Nationalsektionen auch in anderen Kontinenten und veranstaltete Kongresse auch in Afrika und Nordamerika. Obzwar sie weitgehend europazentriert ist, zählt sich auch Vertreter anderer Kontinente zu ihren Mitgliedern und ist um weiteren internationalen Ausbau bemüht.

Wer mehr wissen möchte...

Eine detailliertere Darstellung der frühen Jahre der FICE findet sich in einem von  CYC-Net im Children Webmag publizierten Artikel. [lesen]

Wer es ganz genau wissen möchte…

Zur Zeit der Präsidentschaft von Professor Heinrich Tuggener (Zürich) verfasste Irene Knöpfel-Nobs eine Dissertation an der Universität Zürich über die Geschichte der FICE. Die Arbeit wurde 1992 von der FICE unter dem Titel „Von den Kindergemeinschaften zur ausserfamiliären Erziehung : Die Geschichte der Fédération Internationale des Communautés Educatives“ veröffentlicht. Eine Kurzfassung wurde ins Englische und Französische übersetzt und von der FICE publiziert.  Wiewohl eine Darstellung der letzten zehn Jahre fehlt, bietet das Buch neben einer umfangreichen Bibliographie und zahlreichen Hinweisen wertvolle Informationen über die Anfangsjahre der FICE; es hebt auch den Beitrag der vielen Experten hervor, die die FICE zu dem gemacht haben, was sie heute ist. [lesen]

Die ehrenamtlichen Funktionäre der FICE

Präsidenten

Professor Heinrich Tuggener: Schweiz 1982 - 1988
Dr Steen Mogens Lasson: Dänemark 1988 - 1994
Robert Soisson: Luxemburg 1994 - 2000
Theo Binnendijk: Niederlande 2000 -

Anmerkungen :

1 Informationen über frühere Präsidenten werden noch eingefügt.
2 Der Präsident wird für zwei Jahre gewählt, kann aber zweimal wiedergewählt werde, sodass die maximale Amtsdauer sechs Jahre beträgt.

Generalsekretäre

Franz Züsli-Niscosi: Schweiz 1982 - 1988
Thomas Mächler: Schweiz 1988 - 1998
Gianluca Barbanotti: Italien 1998 - 1999
Christoph Tanner: Schweiz: 1999 - 2000
Die Position des Generalsekretärs ist seit 2000 vakant

 

Anmerkungen :

1 Informationen über frühere Generalsekretäre werden noch eingefügt; die oben angeführten Daten müssen noch genau überprüft werden.
2 Generalsekretäre werden zwar gewählt, doch rekrutierten sie sich bislang aus dem Kaderpersonal von Sponsororganisationen wie der Schweizer Pestalozzi – Stiftung, die sie auch finanzierte. Die Aufgabe als FICE-Generalsekretärs war Teil ihrer hauptberuflichen Tätigkeit. 

Schatzmeister

Robert Soisson: Luxemburg 198x? - 1994
Richard Joubert: Frankreich 1994 - 2002
Rolf Widmer: Schweiz 2002 -

Anmerkung : Informationen über frühere Schatzmeister werden noch eingefügt; Daten müssen noch überprüft werden.

Ehrentitel

Für außerordentliche Leistungen von Mitglieder verleiht die FICE Ehrentitel auf Lebenszeit. (+ verstorben)

Ehrenpräsidenten

Louis François :   Frankreich +
Raoul Wetzburger :   Belgien
Professor Heinrich Tuggener :   Schweiz
Dr Steen Mogens Lasson :  Dänemark
Robert Soisson :  Luxemburg

Ehrenmitglieder

Herbert Angst: Schweiz

Professor Othmar Roden: Österreich +
Camille Hermange: Frankreich
Meir Gottesmann Israel +

Anmerkung

Wir ersuchen alle, die weitere Informationen über die Geschichte der FICE besitzen, uns diese mitzuteilen, damit diese Seite ausgebaut werden kann.


Dem 50. Geburtstag entgegen – die FICE 1992 bis 1998

 

von Thomas Mächler, Generalsekretär der FICE 1992 bis 1998

 

Die Arbeit eines Generalsekretärs ist geprägt von den Zielen und Projekten der Mitglieder und der Versammlungen. Gemäss den Statuten ist das Generalsekretariat die erste Kontakt­adresse zu allen Mitgliedern und zu allen internationalen Organisatio­nen. Das Generalsekretariat ist für die rechtzeitige Vorbereitung und den Versand der Unterlagen an alle Mitglieder verantwortlich. Es leitet das Aufnahmever­fahren für Neumitglieder im Rah­men von Statuten und Geschäftsordnung.

 

Zum "Courant normal" gehört folglich die Vorbereitung und Auswertung der jährlich zweimal stattfindenden Sitzungen des Verbandsrates, der alle zwei Jahre stattfindenden Generalversammlung samt dem internationalen Kongress sowie der etwa vier jährlichen Sitzungen des Exekutivkomitees. Der Start meiner Tätigkeit war bereits aussergewöhnlich: Vorgesehen war die erste Verbandsratssitzung im Herbst 1991 in Ljubljana, infolge der Wirren und des Krieges in Ex-Jugoslawien musste diese Sitzung kurzfristig nach Budapest verschoben werden. Krieg und kriegerische Auseinandersetzungen und deren Auswirkungen auf Kinder prägten leider auch die nächsten Jahre der FICE. Mit der Projektierung der Idee der "Erzieher/innen ohne Grenzen", die leider nicht erfolgreich realisiert werden konnte, wollte die FICE einen Beitrag zur Verbesserung der Situation von kriegs- und krisenbetroffenen Kindern und Jugendlichen leisten. Erfolgreich war dafür die Tagung "Evakuierung von Kindern aus Krisengebieten / Evacuation Children from Crisis Areas / Evacuation et prise en charge des enfants réfugiés", die von der FICE 1993 in Goricia (Italien und Slowenien) in Zusammenarbeit mit dem UNHCR, der UNICEF und der Internationalen Vereinigung der Rot Kreuz und Rot Halbmond Gesellschaften durchgeführt worden ist. Zu nennen ist auch die Intervention bei der südafrikanischen Regierung betreffend Situation der Kinder in den südafrikanischen Gefängnissen, die von Nelson Mandela persönlich beantwortet worden ist und deren Erfolge Präsident und Generalsekretär anlässlich des Besuches 1995 am Kongress der FICE Südafrika "Child and Youth Care: Re­con­struc­tion, Development for Pea­ce" vor Ort und im persönlichen Kontakt mit Desmond Tutu, Leiter des Wiedergutmachungskomitees, besichtigen konnten.

 

Kongresse und Tagungen bildeten den wohl wichtigsten Baustein der internationalen Tätigkeit. 1994 überquerte die FICE erstmals offiziell den Atlantik: Der Kongress "Familienzentrierte Kinder- und Jugendhilfe  / La protection de la jeunesse dans une perspective familiale / Family-centered Child and Youth Care" in Milwaukee war ein grosser Erfolg. Vorausgegangen war eine für die FICE einmalige Solidaritätsaktion, dank derer auch Teilnehmende aus Ländern mit sehr schwachen Währungen am Kongress teilnehmen konnten. Insbesondere diese Ländern prägten die zweite Hauptaufgabe des Generalsekretärs, den Kontakt zu den Mitgliedern zu pflegen und das Aufnahmeverfahren für neue Mitglieder zu leiten. Der Mitgliederbestand wuchs kontinuierlich: Die friedliche Trennung der Tschecheslowakei führte zu zwei Mitgliedern der Slowakischen und Tschechischen Republik. Weiter Mitglied wurden Rumänien und nach dem Ende der Apartheid Südafrika, aus Russland kamen zwei Organisationen. Dank den neuen Statuten gab es auch ein zweites Mitglied aus Israel. Assoziierte Mitglieder kamen aus Indien, Italien, Kroatien, Marokko sowie Estland und Lettland. Um die wachsende Zahl der Mitglieder besser integrieren zu können, wurden 1994 die Statuten einer Totalrevision unterzogen und 1995 eine gänzlich neue Geschäftsordnung erarbeitet.

 

Und immer wieder wurden Kongresse und Tagungen organisiert und durchgeführt. Eine Auswahl der Themen zeigt gleichzeitig die Vielfalt des Tätigkeitsbereiches: "Le Handicap et le Social en Europe face a la Crise des Etats Providences" in 1992 Paris, von der ANCE France und dem CERFFICE (Centre d'Etude, Recherche et Formation du FICE), "Group Supervision and Supervision of Teams in Residential Care" 1994 in Ljubljana, "The Situation in Romanian Children’s Home" zusammen mit dem Erziehungsministerium 1995 in Bukarest, "Les enfants ont des droits - sont-ils respectés?" zusammen mit Unicef 1995 in Genf (als Fortsetzung des Seminars über Kinderrechte in Institutionen von 1992 in Espoo/Finnland), "Développer le droit des jeunes" 1996 in Brüssel, der Internationale "Fostering Cultural Diversity in a Turbulent World: A Challenge for Extrafamilial Care / Interkulturelles Lernen in einer turbulenten Zeit: Eine Herausforderung für erzieherische Hilfen / Communiquer les Cultures dans un Monde turbulent: Un défi pour les Communautés Educatives" 1996 in Kopenhagen. Den Abschluss und wohl auch den Höhepunkt bildete der Jubiläumskongress "50 Jahre FICE: 1948 –1998 - Von den Menschenrechten zu den Rechten des Kindes", der 1998 in Zusammenarbeit mit der Unesco in Paris gleichzeitig den Abschluss meiner aktiven Zeit als Generalsekretär bildete.

 

Neben diesem internationalen Aus­tausch von Wis­sen und Erfahrun­gen im Be­reich der erzieherischen Hilfen mit dem Bestreben, die ausserfa­miliären Unter­bringungsformen zu verbes­sern, entwickelte die FICE aber auch einige erfolgreiche Projekte: Zu nennen ist hier insbesondere das PEP-Programm (Professional Exchange Program; Austauschprogramm für Fachpersonen), welches einen wichtigen Beitrag zum fachlichen Austausch und auch zur Völkerverständigung leistet. Im Auftrag des Generalsekretärs erfolgte die Koordination durch Jolanta Marszycka-Suchecka, womit auch eine erwünschte Verstärkung und Einbezug von Ländern des ehemaligen "Ostblocks" verbunden war. Eine weitere freudige Aufgabe des Generalsekretärs war der Vertrieb der Bücher, die im Rahmen von FICE-Aktivitäten oder durch FICE-Repräsentanten geschrieben wurden. Auch dank dieser Veröffentlichungen konnte der Bekanntheitsgrad der FICE vergrössert werden. Ein letztes grosses Projekt sei erwähnt: Der ethische Code für Personen, die mit Kindern und Jugendlichen arbeiten, angenommen anlässlich der Verbandsratssitzung der FICE vom 8. bis 10. Oktober 1997 in Erfurt (Deutschland)(an der gleichen Versammlung wurde weiter die FICE Europa gegründet).

 

Eine der weiteren wichtigen Aufgaben war die Pflege des Kontaktes zu anderen Nicht-Regierungsorganisationen und zu den internationalen Organisationen. Bei dieser Arbeit durfte ich auf grosse Unterstützung von FICE-Mitgliedern zählen. Neben dem Generalsekretär vertrat beispielsweise Richard Joubert die FICE beim Europarat, Rolf Widmer bei den Internationalen Organisationen in Genf, einschliesslich dem Komitee für die Kinderrechte (CRC), Helga Stefanov bei ECOSOC in Wien, Daniel Vidaud bei der UNESCO in Paris oder Edna Runnels Ranck bei UNICEF in New York, um nur die wichtigsten Vertretungen zu nennen. Die Koordination dieser Vertretungen und der Austausch von Hinweisen und einer Vielzahl Papiere war eine sehr grosse Herausforderung.

 

Bei all diesen Aktivitäten und Projekten darf nicht vergessen werden, dass die Führung des Generalsekretariates der FICE ein kleines Nebenamt war, unterstützt von einer Teilzeit-Sekretärin, welche die rein administrativen Arbeiten übernahm. Finanziert wurde das Sekretariat weitestgehend durch die Stiftung Kinderdorf Pestalozzi, bei der ich angestellt war und die ich als Zentralsekretär im Hauptamt zu leiten hatte. Dies macht auch deutlich, dass die FICE immer mit einem Mangel an Geld und finanziellen Ressourcen kämpfte und vieles, was wichtig und sinnvoll gewesen wäre, einfach nicht finanziert werden konnte.

 

Wenn ich mich mit einiger Distanz frage, was von all den aufgeführten Aktivitäten, Veranstaltungen oder Projekten bleibt, so sind es sicher die Begegnungen mit Menschen: Auf den Reisen und den Veranstaltungen bin ich unzähligen Kindern und Jugendlichen in Institutionen begegnet. Mehrheitlich begleitete Kinderlachen, Kinderlieder oder kleine Aufführungen die Besuche, aber es gab auch belastende und schmerzhafte Erinnerungen an Kinder und Jugendliche in Gefängnissen, behinderte Kinder in Heimen ohne fliessendes Wasser und mit nicht ausgebildeten Aufsehern, kleine Kinder in Kriegs- und Krisensituationen, denen der kleine geschenkte Teddybär von grösseren Kindern gerade wieder abgenommen wurde.

 

Mit der Aufgabe verbunden waren auch Begegnungen mit insgesamt drei UNO-Generalsekretären, mit Javier Perez de Cuellar, Boutros Boutros-Ghali und mit Generalsekretär und Friedensnobelpreisträger Kofi Anan oder mit den Friedensnobelpreisträgern Desmond Tutu und dem Dalai Lama. Und dann natürlich die vielen Sitzungen mit dem Exekutiv-Komitee, wo insbesondere der Elan von Robert Soisson ‑ zuerst Schatzmeister dann Präsident – sowohl bei Projekten wie auch bei Publikationen oder der Herausgabe des Bulletins und der Pflege internationaler Kontakte ein Ansporn für den Generalsekretär war, seine Beiträge ebenfalls termingerecht zu leisten. Zu danken ist auch Richard Jouberts ruhige und besonnene Art, die wenigen Finanzen optimal einzusetzen und in seiner Art zu sparen, die uns grössten Spass bereitete (nämlich indem die Sitzungen des Exekutiv-Komitees mehrheitlich in Nancy bei Richard zu Hause stattfanden und wir von seiner Frau vorzüglich bekocht wurden). Zu nennen sind sicherlich auch die langjährigen Vize-Präsidenten David Lane, das englische Sprachgewissen und der ständige Promotor von Projekten wie PEP, Internet etc. und Martti Kemppainen für seine Aufbauarbeit und Kontakte mit den baltischen Ländern und den GUS-Staaten. Last but not least gehört ein grosser Dank auch den beiden Dolmetscherinnen Christine Karner und Helga Stefanov, ohne deren Übersetzungen der Austausch über die Sprach- und Landesgrenzen nicht möglich gewesen wäre. Geblieben sind also Freunde, von denen hier nur ganz wenige genannt werden konnten, die sich heute über den ganzen Erdkreis verteilen.

 

Thomas Mächler, lic.phil.

Ehrenmitglied FICE-International